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Trends, Chancen und Herausforderungen für den Entwicklungs- und Produktionsstandort Schweiz
Offenes Abendgespräch der Erfa-Gruppe PIM in Zusammenarbeit mit dem Forum-SCM an der ETH Zürich
Rund 120 interessierte Teilnehmer fanden sich am 27. Januar 2007 anlässlich des Abendgesprächs 2007 der Erfa-Gruppe PIM im Auditorium Maximum der ETH Zürich ein. Nach den vergangenen Veranstaltungen stand diesmal wieder der Entwicklungs- und Produktionsstandort Schweiz im Mittelpunkt des Interesses. Namhafte Vertreter aus der Industrie referierten über notwendige Voraussetzungen für den Erhalt des Wissensplatzes Schweiz und aktuelle Trends in der Technologieentwicklung, insbesondere im Hinblick auf den Stellenwert der Innovationsfähigkeit und deren erfolgreiche Umsetzung in der Praxis.

Die Begrüssung der Teilnehmer und die Einleitung in das Thema des Abendgesprächs erfolgten durch Herr Professor Dr. Schönsleben als Vorstandsmitglied der Erfa Gruppe PIM. Bezug nehmend auf die beiden vorangegangenen Abendgespräche mit Schwerpunkt auf den Standorten China und Osteuropa, fokussiere man in dem Abendgespräch 2007 wieder auf den Entwicklungs- und Produktionsstandort Schweiz insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Innovationskraft als Kernkompetenz. Prof. Dr. Schönsleben bedankte sich insbesondere bei den Referenten für Ihr Engagement, welches gerade vor dem Hintergrund der momentanen hervorragenden Wirtschaftslage keine Selbstverständlichkeit darstelle.

Prof. Dr. Roman Boutellier eröffnete mit seinem Vortrag mit dem Titel „Technologietrends erkennen und umsetzen“ das Abendgespräch und erläuterte die aktuellen Trends und Herausforderungen im Bereich Technologie-Innovation, wobei Prof. Boutellier mittlerweile auf 30 Jahre Erfahrung in den Bereichen Innovations- und Technologiemanagement zurückgreifen kann. Zunächst hob er besonders heraus, dass die Minituarisierung z.B. im Harddisk-Bereich eine ständig stattfindende Innovation darstellt. Prof. Dr. Boutellier erläuterte an einigen anschaulichen Beispielen weiterhin, dass die Innovationsgeschwindigkeit in den letzen 50 Jahren von 42% bis heute nur noch 5% abgenommen hat. Minituarisierung, geringe Transportkosten, Standard-Interfaces sowie billige Brandweiten und die heutige Verbreitung von PCs haben dazu geführt, dass ein weltweit verstreuter Markt für Firmen über das Internet erreichbar ist. Internetseiten sind dabei für viele Unternehmen der „business enabler“. Prof. Dr. Boutellier führte aus, dass vor allem Firmen die führenden Träger von Innovation sind. In einer anschliessenden Diskussion wurde über den Standort Schweiz und Patentrecht gesprochen, wobei sich herausstellte, dass bei kritischen Bauteilen z.B. in Gas- und Wasseranlagen selbst chinesische Firmen auf westliche Qualitätsprodukte zurückgreifen und sich somit ein klarer Wettbewerbsvorteil der westlichen Industrieländer in diesen Segmenten liegt.

Im Anschluss referierte Herr Eicher als CEO der IGP Pulvertechnik über die notwendigen Voraussetzungen, um die Technologieführerschaft in der Pulverbeschichtung am Standort Schweiz und damit Innovation in einem KMU aktiv zu fördern. Für Herrn Eicher nimmt die technische Innovation insbesondere bei den High-end Produkten eine grundlegende Rolle ein; es gebe jedoch gerade im Bereich der Midrange- und Commodityprodukte zahlreiche weitere Möglichkeiten sich von der Konkurrenz abzuheben. In diesem Zusammenhang nannte er die Prozessinnovation und die Entwicklung von Serviceprodukten sowie die Fähigkeit ein Markenimage zu schaffen. Als CEO lege er ausserordentlich viel Wert darauf, dass seine Mitarbeiter die Vision des Unternehmens verinnerlicht haben und somit auf die Strategie schliessen können. Eine weitere Voraussetzung für effektives Innovationsmanagement seien regelmässige Kreativworkshops mit Vertretern der gesamten Wertschöpfungskette. Die aktive Einbindung von Kunden und Lieferanten schaffe Vertrauen und sorge für ein positives Innovationsklima, insbesondere wenn es gelinge den Nutzen für alle Beteiligten transparent zu machen. In diesen Workshops, bei denen regelmässig bis zu 30 Personen für zwei Tage zusammenkommen, werden eine Vielzahl von potentiellen innovativen Ideen auf einer Innovationsliste erfasst, von denen nach ausführlicher Bewertung und Auswahl jedes Jahr 2-3 Ideen tatsächlich umgesetzt werden. Die Nachverfolgung und Erfolgskontrolle der umgesetzten Ideen sei insbesondere für die Motivation aller Beteiligten sehr wichtig. Zusammenfassend stellte Herr Eicher noch mal die Bedeutung einer flache Organisationsform in Kombination mit einer Firmenkultur, die offene Kommunikation fördere und die partnerschaftlichen Kooperationen mit Kunden und Lieferanten pflege, als wesentliche Treiber der Innovationskraft in den Mittelpunkt.

Im folgenden Referat wurde das Thema des Abends durch Herrn Philip Mosimann, CEO von Bucher Industries, aus Sicht eines grossen schweizer Technologiekonzerns beleuchtet. Als Unternehmens-gruppe mit weltweit verteilten Produktionsstandorten gebe es keine Ziele oder Vorgaben hinsichtlich der Produktion in der Schweiz. Dennoch werde bezüglich der Mitarbeiter- und Umsatzzahlen ein weit überdurchschnittlicher Wertschöpfungsanteil hierzulande erbracht. Anhand der Produkte zweier Divisionen strich Herr Mosimann in der Folge die hohe Bedeutung der Produktinnovation für die hohe Produktivität und den Exporterfolg heraus.

Im Fall der Kompaktkehrmaschinen wird ein Systemgeschäft betrieben, indem sich Bucher auf das Engineering, die Montag und den Vertrieb konzentriert. Demnach seien neben den Entwicklungs- vor allem auch Logistikkompetenzen gefordert. Anderseits werden
bei den Hydraulikkomponenten spezifische Applikationen angeboten, welche aufgrund der engen Abstimmung mit dem Kunden und der Integration von Entwicklung, Fertigung und Prüftechnik einen nachhaltigeren Know-how-Schutz bieten als isolierte Kerntechnologien. Abschliessend ging Herr Mosimann in seinen Schlussfolgerungen auf die Stärken des Produktionsstandorts Schweiz ein und betonte dabei, dass die Entwicklungs- und Innovationsfähigkeit nur ein Aspekt neben vielen weitern darstellt. Insbesondere betonte er dabei die (noch) guten Rahmenbedingungen des Arbeitsmarkts bezüglich Gesetzgebung und Arbeitsmoral.

Im abschliessenden Vortrag referierte der Direktor des IBM Forschungslaboratoriums in Rüschlikon, Dr. Kaiserswerth, über verschiedenen Dimensionen der Innovation. Dazu grenzte Herr Kaiserswerth zunächst die Begriffe Erfindung und Innovation deutlich voneinander ab. Allein in 2002 seien in Europa, Japan und den USA mehr als 850.000 Patente angemeldet worden. Es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass all diese Erfindungen wirklich einen Mehrwert generiert haben. Demzufolge besteht die eigentliche Innovation darin, neuen Erkenntnissen und Erfindungen einen wirklichen Nutzen zuzuordnen, respektive sie für die Lösung von konkreten Problemen zu nutzen. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten innovativ zu sein. Herr Kaiserswerth klassifizierte die Innovation in sechs verschiedene Dimensionen und belegte jede Dimension mit Beispielen aus dem Hause IBM. Ein besonders erfolgreiches Beispiel für Produktinnovation sei die Entwicklung eines Hochleistungschips für die Spiele Konsole XBox 360, welcher durch intensive Kollaboration zwischen IBM und Microsoft erreicht wurde. Ein weiteres Beispiel aus der Dimension Service Innovation stellen die Bestrebungen des britischen Versicherers Norwich Union dar. Demzufolge sollen in Zukunft Autoversicherungstarife auf Grund der individuellen Fahrdaten berechnet werden. IBM wird Union Norwich bei der Entwicklung der notwendigen Hard- und Software, sowie bei der Umsetzung der Technologien zur Datenerfassung unterstützen. In der Dimension Business Process Innovation hat IBM in jüngster Zeit ein Konzept und die notwendigen Technologien für die real-time Überwachung von Überseefrachtcontainern entwickelt und damit einen Beitrag für die Optimierung von globalen Supply Chains geleistet. Abschliessend ging Herr Dr. Kaiserswerth auf das bei IBM fest verankerte Innovation Model ein, welches einen entscheidenden Beitrag zum Innovationserfolge bei IBM liefert.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Herrn Dr. Kurt Speck, Publizist der Handelszeitung und Dozent an der Universität Bern, standen die Referenten für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung. Es wurde über den Standort Schweiz und über die Innovationsfördernden Charakteristika der Schweiz gesprochen. Dabei wurden vor allem der flexible Schweizer Arbeitsmarkt und die Kooperation der Firmen mit Hochschulen und auch untereinander gelobt. Besonders herausgestellt wurde auch die Vernetzung durch das Internet und deren Möglichkeiten zum Ideenaustausch und zur Anwendung von Kreativitätstechniken. Nach
wie vor werden der Schweizer Wirtschaft und Schweizer Produkten Merkmale wie Zuverlässigkeit und hohe Qualität zugesprochen, die es im internationalen Wettbewerb zu nutzen gilt.
Nach den abschliessenden Dankesworten durch Prof. Baertschi im Namen der Erfa-Gruppe PIM bestand im Rahmen eines Apéros die Möglichkeit des Informations- und Erfahrungsaustauschs, welche von vielen Beteiligten intensiv genutzt wurde.
Sehr gern möchten wir uns bei dieser Gelegenheit nochmals bei den Referenten für ihr Engagement und die sehr interessanten Beiträge zum Thema Innovation „Swiss Made“ bedanken.
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