|
|||||||||||
Am 27. Januar 2005 richtete die Erfa-Gruppe PIM in Zusammenarbeit mit dem Forum for Supply Chain Management das Abendgespräch "Kann die Wirtschaft Europas dem asiatischen Druck widerstehen?" an der ETH Zürich aus, welches mit rund 150 Teilnehmern wiederum auf sehr guten Zuspruch stiess. Nach-dem im letzten Abendgespräch allgemeine Trends für den Fertigungsstandort Schweiz thematisiert wurden, widmete sich diese Veranstaltung sowohl in den Referaten als auch in der anschliessenden Podiumsdiskussion insbesondere den Herausforderungen und Chancen, welche sich aufgrund der stei-genden wirtschaftlichen Bedeutung Chinas auf die Produktion in der Schweiz ergeben.
Nach einer kurzen Begrüssung durch Prof. Schönsleben wurde das Abendgespräch von Dr. Urs Schoettli, Chinakorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung in Peking, eröffnet. Anhand einiger Rahmendaten zeigte er die bereits grosse Bedeutung Chinas als globale Handelsmacht auf. Gleichzeitig wies er jedoch auch auf die zunehmenden internen Probleme der Volksrepublik hin, welche mit den hohen Wachstumsraten einhergehen. So sei beispielsweise die potentielle Sprengkraft des wachsenden Wohlstandsgefälles zwischen den aufstrebenden wirtschaftlichen Zentren und den nach wie vor sehr rückständigen Regionen in diesem grossen Land nicht zu unterschätzen. Auch werde China wohl bald verstärkt in die Verantwor-tung gezogen und gezwungen sein, strukturelle Mängel wie die systematische Verletzung von internationalen Intellectual Property Rights aufgrund von endemischer Korruption zu beseitigen. Trotz derartiger Risiken und Unsicherheiten betonte der Redner abschliessend noch einmal die enormen Chancen für hiesige nternehmen, indem lokale Bedürfnisse zunehmend durch westliche Produkte befriedigt würden und dem europäischen Tourismus ein interessantes Potential an chinesischen Gästen winke.

Dr. Rickenbacher vertrat als CEO von Lantal Textiles die Sicht eines mittelständischen Unternehmens, welches vorwiegend in der Schweiz für den Weltmarkt produziert. Die Lantal Gruppe verfolgt eine Nischenstrategie, indem sie sich insbesondere auf die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Textilien wie Bezugsstoffen, Wandverkleidungen oder Teppichen für die Innenausstattung von Massenverkehrsmitteln spezialisiert hat. Mit der Unternehmensstrategie zeigte Herr Rickenbacher, wie sein Unternehmen dank einer hohen Markt- und Kundenkompetenz und dem Anbieten von Gesamtlösungen auch in der Textilindustrie erfolgreich aus der Schweiz operieren kann. So ist Lantal Textiles in der Ausstattung von Passagierflugzeugen Weltmarktführer, wobei vier der 10 wichtigsten Kunden aus Asien stammen und hier auch die absehbar wachsenden chinesischen Airlines von Lantal beliefert werden.
Rolf Schaumann, Verwaltungsratspräsident der ABB Schweiz AG, die global agiert und mitunter in China sehr erfolgreich wirtschaftet, wies anhand einiger Faktoren zunächst auf die an sich gute Ausgangslage des Fabrikationsstandorts Schweiz hin. Anschliessend ging er aber auf die strukturellen Schwächen ein, welche das Land im internationalen Vergleich gerade im Hinblick auf die Konkurrenz in Asien zuneh-mend behindern. Namentlich wurden die abnehmende Wettbewerbsfähigkeit aufgrund staatlicher Regulatorien, die mangelnde Innovationskraft und die relativ hohen Arbeitskosten genannt. Entsprechend zeigte Herr Schaumann abschliessend einige wichtige Massnahmen wie insbesondere die Flexibilisierung des Arbeitsangebots auf, die für die Särkung des Wirtschaftsstandorts Schweiz unbedingt umzusetzen sind.
"Ja, wenn sie wollen", lautete dann auch die Antwort von alt Staatssekretär Franz Blankart auf die eingangs gestellte Frage, ob die Volkswirtschaften Europas – und folglich auch die der Schweiz – dem asiatischen Druck widerstehen können. Auch Prof. Blankart sprach im Kern über die strukturellen Rahmenbedingungen eines Staates, welche als wesentlicher Standortfaktor letztlich gesellschaftlich-politisch beeinflusst werden können. Dabei unterstrich er die Probleme aufgrund der überbordenden Staatstätigkeit, des mangelnden Wettbewerbs und insbesondere auch der zunehmenden Staatsverschuldung; Probleme, welche im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz angegangen werden müssen, "weil die Schweiz immer exportiert, entweder Güter oder Arbeitsplätze."

In der abschliessenden Diskussion stellte Dr. Schoettli als Podiumsleiter zunächst die provokative Frage, ob sich die Schweiz künftig nicht besser als ein "Managementzentrum" der Welt positionieren, sich ausschliesslich auf hochqualifizierte Arbeitsplätze konzentrieren und die Bildungspolitik entsprechend ändern sollte. Unter den drei Vorrednern herrschte Konsens, dass dies keine realistische Möglichkeit darstelle. Das Land müsse ein Werkplatz bleiben und die Produktion halten, wenngleich auf höchstem Niveau. Herr Schaumann unterstrich dabei die Notwendigkeit, dass Entwicklung und Produktion zusammen gehörten und warnte vor der teilweise verbreiteten Meinung, die Schweiz als reinen Entwicklungsstandort positionieren zu können. Dr. Rickenbacher wies zusätzlich darauf hin, dass lebenslange Aus- und Weiterbildung in jedem Unternehmen unabdingbar geworden seien. Zudem sollten erfolgreiche Unternehmen gerade in diesem Bereich nicht auf den Staat warten, sondern beispielsweise im Bereich der kulturellen Bildung mehr Eigeninitiative entfalten. Auf die Gefahren und Unsicherheiten im chinesischen Markt gefragt, stellte Herr Schaumann klar, dass es für ABB aufgrund des rasanten Wachstums gar keine Alternative gäbe, als vor Ort im Markt präsent zu sein. Zudem hätte ein hoher Anteil in der Schweiz gefertigter sogenannter Noble Parts nicht geliefert werden können, wenn ABB nicht das Joint Venture in China eingegangen wäre. Dr. Rickenbacher bestätigte, dass der hohe Exportanteil von 90-95% der Firma Lantal Textiles unter anderem darauf zurückzuführen sei, dass die Kunden dem Unternehmen aufgrund des Standortes Schweiz grosse Sicherheit und Stabilität zubilligen. Wichtiger jedoch sei die Tatsache, dass Lantal eine relativ grosse Flexibilität benötige und daher eine hohe Wertschöpfungstiefe im Haus behalte.
Insgesamt bot das Abendgespräch den Teilnehmern sehr gute Referate sowie eine interessante Diskussion. Aufgrund der dargelegten Aspekte im Zusammenhang mit dem Aufstieg der chinesischen Wirtschaft konnten die Zuhörer einige anregende Denkanstösse für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch im anschliessenden Apéro und hoffentlich auch für ihren betrieblichen Alltag mitnehmen.
|
|
|
Wichtiger Hinweis:
Diese Website wird in älteren Versionen von Netscape ohne
graphische Elemente dargestellt. Die Funktionalität der
Website ist aber trotzdem gewährleistet. Wenn Sie diese
Website regelmässig benutzen, empfehlen wir Ihnen, auf
Ihrem Computer einen aktuellen Browser zu installieren. Weitere
Informationen finden Sie auf
folgender
Seite.
Important Note:
The content in this site is accessible to any browser or
Internet device, however, some graphics will display correctly
only in the newer versions of Netscape. To get the most out of
our site we suggest you upgrade to a newer browser.
More
information